Doch Namenmoden in der Rufnamengebung hatten bis etwa zum 12. Jahrhundert dazu geführt, dass der heimische Rufnamenschatz
erheblich ausgedünnt worden war. Wenige Rufnamen waren populär, die einstige Vielfalt verloren. So teilten sich viele Menschen
denselben Rufnamen. Das rasante Städtewachstum der Zeit war für die Entwicklung Rufname > Beiname > Nachname von erheblicher
Bedeutung. Die Rufnamen reichten nicht mehr aus um eindeutig eine Person zu meinen, so entstanden die Beinamen. Zuerst war
dieser Trend in den Städten zu beobachten, da hier viele Menschen auf relativ kleinem Raum lebten und diese Teilweise die
gleichen Vornamen hatten. So entstanden zum Beispiel Beinnamen wie „Klaus der Bäcker“ oder „Leipziger Klaus“.
Zuerst war der Beinamen nur an die jeweilige Person gebunden und es die Nachkommen hatten eigene, es konnte jedoch auch so
sein das „Klaus der Bäcker“ und der „Leipziger Klaus“ ein und dieselbe Person waren, nur halt in einem unterschiedlichen
Kontext.
Durch die Tatsache, dass diese Beinamen sich jedoch nicht vererbten entstand innerhalb weniger Generationen ein neues
Problem. In offiziellen Dokumenten konnten nachfolgende Generationen nicht mehr feststellen wer gemeint war. Denn die
Beteiligten kannten sich nun nicht mehr persönlich und konnten somit keine logische Verbindung herstellen. Somit waren
die Namen da aber keine sichere Zuordnung mehr möglich.
Somit verschwanden die Beinamen und wurden durch feste Familiennamen ersetzt, diese mussten verschiedene Funktionen erfüllen:
• amtlich verbindlich sein,
• lebenslang bestehen und
• vererbt werden.
So ist der zweite Name einer Familie mit Sicherheit als Anzeichen für die Entstehung des Familiennamens zu sehen.
So konnte es sein das die Beschreibung nicht mehr auf nachfolgende Generationen zutrifft, also das der Sohn von
„Klaus dem Bäcker“ nun Bauer war. Die Entwicklung des Vornamen + Nachnamen - Modelles begann im 12 Jh. Und wurden
zuerst im Südwesten Deutschlands durch Adlige und Patrizier begonnen, Knechte und Dienstboten waren die letzten die
diese Umstellung durchlebten. Im 13 und 14 Jh. erfolgte die Umstellung in den nördlicheren Regionen Deutschlands,
wobei die Städte zuerst erfasst wurden. In den Dörfern konnte man zum Teil das Rufnamen – Modell noch im 17 und 18 Jh.
beobachten.
Festzuhalten bleibt: dem Familienname lag ein Wort als Ursprung zu Grunde, das eine Person zu einer bestimmten Zeit auf
irgendeine Weise charakterisierten, in der sie sich aus der Masse hervorhob. Benennung nach Andersartigkeit ist das Prinzip. In unseren Breiten lässt sich darüber jeder Nachname und seine Bedeutung erklären. Doch worin unterschieden sich die Menschen?
Patronymische Familiennamen:
In einer Gemeinschaft konnten 2 Personen den gleichen Rufnamen, jedoch unterschiedliche Väter haben. Um diese Beiden nun
zu unterscheiden fügte man einfach den Namen des Vaters, in seltenen Fällen auch den Namen einer „Leitfigur“ Zum Beispiel
„Franz von Klaus“ und „Franz Andreas Sohn“. Später konnte sich nun der Beiname zum Familiennamen verfestigen und somit
entstanden „Franz Klaus“ und „Franz Andreas“.
Im deutschen Nordwesten und in skandinavischen Gebieten wurde häufig „sen“ als verkürzte Form von Sohn mit angehängt so
entstand zum Beispiel „Andreasson“
Matromytische Familiennamen sind hingegen sehr selten – sie bezeichnen Ableitungen vom mütterlichen Namen
Herkunftsnamen:
Wenn jemand aus einem entfernt liegenden Ort zugezogen ist wurde zum Teil der ursprüngliche Ortsname als Beiname und später als Familienname gesehen. So wurde zum Beispiel aus „Klaus aus Weimar“ „Klaus Weimar“. Doch hier ist Vorsicht geboten, den
es gibt zum Beispiel 2 Weimar in Deutschland, eines in Thüringen ein anderes bei Frankfurt/Main. Komplizierter wird es bei
anderen Namen wie „Altenburg“, hier gibt es gleich eine Handvoll Orte die in frage kommen. Diese Fälle kann man nur durch
Ahnenforschung ermitteln wo die Vorfahren herkommen, indem man in ein Gebiet gelangt das in der relativen Nähe zu einem
passenden Ortsnamen liegt.
In die Kategorie der Herkunftsnamen gehören auch solche Namen die auf eine Region hindeuten, als Beispiele gelten „Bayer“,
„Böhme“, „Sachs(e)“
Wohnstättennamen:
Hier gilt ebenfalls die Herkunft der betreffenden Person, jedoch nicht durch den Zuzug aus einer anderen Gemeinde
sondern vielmehr die Besonderen Gegebenheiten innerhalb einer Siedlung. Besonders markante Punkte in der Nähe oder an
der Behausung selbst konnten ausschlaggebend sein. So konnte aus für jemanden der in der Nähe des Angers wohnte als
Familienname „Anger“ oder „Angermann“ eingesetzt werden. Jemand der am Baum wohnte konnte „Baum“ gerufen werden und ein
„Wiese“ hat eventuell mal auf einer Wiese oder an selbiger gewohnt.
In dieser Gruppe gibt es jedoch die Möglichkeit, dass ein Familienname zum einen Wohnstättenname zum in eine andere Kategorie gehört. So zum Beispiel „Mühle“, zum einen ein Wohnstättenname zum anderen in die Gruppe der Berufsnamen, "Steinhäuser" kann Wohnstättenname (der aus dem Steinhaus) oder Herkunftsname (der aus Steinhausen) sein.
Übernamen:
Namen dieser Gruppe sagen etwas über Aussehen oder Charakter einer Person aus. Groß ("Groß[e]"), klein ("Kurz"), hell-
("Weiß[e], Wittkopp"), dunklehaarig ("Schwarz[e]") oder kahl ("Kahlkopf"), gefräßig ("Pfannkuchen"), dem Alkohol zusagend
("Guckinsglas") oder Frühaufsteher ("Morgenschweiß") - all das kann sich in Familiennamen widerspiegeln.
Bei Übernamen ist die äußerliche oder charakterliche Abweichung einer Person von der Norm - wenn es denn so etwas gibt -
zum Benennungsmotiv geworden. Auch in dieser Gruppe findet man Wörter in Familiennamen verewigt, die im alltäglichen
Sprachgebrauch ausgestorben sind.
Berufsnamen:
Unter den 20 häufigsten deutschen Familiennamen finden sie: Müller, Schmi(e)d, Schneider, Fischer, Meyer, Bäcker, Bauer,
Wagner, Koch - die wichtigsten Berufe von früher sind die bekanntesten Familiennamen von heute. Wie die Person benannt wurde,
liegt auf der Hand.
Hier zählen auch so „kuriose“ Namen wie „Krempelsetzer" oder "Gänseräufer", denen man ihren Sinn nicht unmittelbar ansieht.
Ersterer bezeichnete eine Person, die Kurzwaren zum Verkauf ausbreitete, also einen Händler; "Gänseräufer" einen
Geflügelhändler, der die Tiere auch rupft.
Typische Werkzeuge und Begleiterscheinungen gehören ebenfalls in diese Gruppe der Berufsnamen, etwa der Familiennamen
„Hammer“ für einen Schmied.